Langsam hat die schöne und wilde Insel Asinara ihre Freiheit wieder gewonnen. Seit mehr als ein Jahrtausend durften nur die Gefängnishäftlinge und ihre Gefängniswärter die Insel betreten. Nur sehr selten haben andere Leute während dieser Zeit die Asinara gesehen. Das waren die vom Gefängnis verpflichteten Arbeiter und Techniker. Als sie arbeiteten, wurden sie von den Gefängniswärtern streng geleitet und eskortiert. Nachdem diese Glücklichen nach Hause zurückkamen, verzauberten sie Verwandte und Freunde mit surrealistischen Erzählungen, die die Gefängnisinsel beschrieben. Sie erzählten von wilden und frei lebenden Pferden, die sich in den Stränden gegenseitig verfolgten. Schüchternen und weißen Eseln, die das Vorbeigehen von diesen seltenen Besuchern beobachteten. Mufflone, Hasen und Wildschweine, die plötzlich von den Pfaden auftauchten.

Zu diesen Erzählungen verbinden sich heute jene von den anderen tausend Leuten, die seit 1999 die Insel Asinara besuchten. Sie ist seit 1997 Nationalpark. Obwohl sie mittlerweile von allen das ganze Jahr über besucht werden kann, bewahrt die Asinara ganz unverändert ihre Aufsehen erregende Umwelt. Von Fornelli (der Landungspunkt für die Besucher, die aus Stintino kommen) bis zum Nordende Cala D'Oliva sind es 26 Kilometer, ein aufeinander Folgen von kleinen Buchten, blühenden Wiesen, Sand und vom Meer umgebenen Felsen. Das Meer wechselt ständig von hellblau zu kobaltblau, von türkis zu dunkelblau.

Die Inselform ist besonders kurvenreich (Der Name "Asinara" kommt nämlich vom Lateinischen "Sinuari" d.h. eben "gewunden, kurvenreich"). Um sie zu identifizieren, muss man bis zur 408 Meter hohen Spitze "Punta della Scomunica" hinauf steigen. Die Westküste besteht aus einem Aufeinanderfolgen von Kliffen, Meerengen, Spalten, Senkrechtsteinen. Die Ostküste senkt sich dagegen süßer in der Wassertiefe des Meeres mit Sandstränden und kalkhaltigen Felsen.

Die erste Begegnung auf Fornelli ist die mit einem aus Steinbeton weißen Gebäude, das von zwei ernsthaften Wachtürmen beherrscht ist. Das war das Hochsicherheitsgefängnis, in dem Mafiosi und Brigadisten verhaftet wurden. Nach einem kurzen Weg sieht man links die Überreste eines weißen Schlosses aus dem dreizehnten Jahrhundert: der Castellaccio. Rechts ruft dagegen das Wasser von Cala Sant'Andrea die Farben von den tropischen Meeren ins Gedächtnis zurück. Die Asinara beherbergt eine sehr hochwertige und besondere Fauna und Flora: ihre Schmuckstücke sind die "Centaurea Horrida", ein lebendiges Fossil und die berühmten weißen Esel, die die Hauptfiguren der vielen Souvenirfotos von Touristen sind.

Eine der schönsten Ecken ist der engste Punkt der Insel, der etwa nördlich von Fornelli liegt. Nur 240 Meter trennen so wie eine Landenge "Cala Sgombro von draußen" von "Cala Sgombro von innen" und je nachdem wie der Wind weht, ist an einer Seite Meeresstille und an der anderen Seite ist das Meer von den Wellen gekräuselt. Die Asinara ist noch nicht damit fertig, uns zu überraschen und sie gibt uns weiter Zeugnisse aus einer lang zurück liegenden Vergangenheit wider. Vor kurzem ist sogar eine Verladung von einem römischen Schiff aus dem vierten oder fünften Jahrhundert n. C. in der Wassertiefe von Cala Reale entdeckt worden.


Kuriosität: die weißen Eselchen

Einige sagen, dass sie aus Ägypten von einem Marchese mitgebracht wurden, andere sind dagegen sicher, dass sie auf der Insel nach einem Schiffbruch gelandet sind. Die Historiker behaupten, es sei noch wahrscheinlicher, dass sie die Erben von einem grauen Vorfahren sind. Egal woher sie kommen, diese kleinen Albino-Esel mit dem reinen weißen Fell weiden seit ungewisser Zeit. Sie sind das Symbol des Parks geworden und empfangen heute ganz neugierig die Touristen, die auf ihrer Insel landen.